Es quält mich ein bisschen immer wieder zu lesen, wie sich Schriftsteller:innen, insbesondere Dichter:innen selbst anpreisen und anbieten, wie sie sich, fast schon verzweifelt, um Aufmerksamkeit bemühen. Immer seltener auf subtile, immer häufiger auf eine fast marktschreierische Weise.
Mein Manuskript liegt jetzt fast zwei Jahre beim Verlag und ich werde, wenn ich, sehr selten, nachfrage, auf das folgende Jahr vertröstet. Aber eigentlich ist es auch egal, weil ich inzwischen einen Schritt weiter gegangen bin, die Gedichte des Manuskripts waren ein erster Schritt auf mich und meine eigene Geschichte zu, die ich momentan versuche weiter zu erkunden. Mit wenig Erfolg. Es ist als hätte ich einen Scheitelpunkt erreicht, eine Kreuzung, an der ich mich für einen der Wege entscheiden muss. Aber ich stehe da und weiß nicht weiter. Ich werde so lange dort stehen und nichts schreiben können, was mich auch nur halbwegs zufrieden stellt, bis ich endlich eine Richtung einschlage. Bis ich endlich alles loslasse, die Erwartungen, die Vergangenheit, meine Eitelkeit.
Auf dem Weg zum Krankenhaus Kälte und feiner Nieselregen. Der Arzt, der sich ebenso wenig wie ich erklären kann, warum auf einmal die linke Hand (die doch die weniger betroffene Hand gewesen ist) haltlos zittert. Nein, keine Halluzinationen, auch keine übertrieben gute Laune, sage ich, zu den Nebenwirkungen des Medikaments gefragt. Der Arzt schlägt vor irgendwann in der Zukunft, nachdem die Diagnose meines Blutbildes aus Tübingen vorliegt (das kann noch Monate dauern, sagt Dr. P.), noch einmal zu untersuchen, ob nicht vielleicht auch noch Parkinson dazu gekommen ist. Ich möchte nicht wissen, ob ich noch weitere Krankheiten habe, ob sogar mein Zittern sich aus mehreren Quellen speist. So richtig überzeugen mich seine Argumente nicht.
Als ich auf dem Rückweg in den Regen trete, versucht wenig über mir, ein Hubschrauber abzuheben oder zu landen. Höllischer Lärm und ein Abwind, der mich und eine junge Frau, die in der Nähe unterwegs ist, fast umwirft.
Später, nach dem Büro, auf dem Heimweg verpasse ich fast die Haltestelle, an der ich aussteigen muss, weil mich Dagermans Deutscher Herbst fesselt.