Früher war von irgendwo ein Ton gekommen, ein Rhythmus und ich habe geschrieben. Der Inhalt kam aus einem zutiefst unbewussten Bereich. Jetzt will ich etwas erzählen, ich suche nach Details, nach Fakten. Und vor allem suche ich nach einer angemessenen Form für diese Geschichte, die nicht persönlicher ist als alle Texte davor, aber sozusagen aus einer anderen Richtung auf das Schreiben zielt. Man möchte ja alles durchschaubar machen. Aber es gelingt nicht. Es ist eben kein Text, mit dem ich mich wegschreiben kann, sondern er bewegt sich beharrlich auf mich zu. Manchmal diese Gewissheit, dass ich schreiben kann, dass ich eine Form finden werde. Aber die meiste Zeit das Gegenteil. Zweifel, Misstrauen.
Der Ohrenarzt, der die Diagnose meiner Hausärztin nicht im geringsten teilt, ermahnt mich weiter Gleichgewichtsübungen zu machen, auch wenn es schwierig ist, nicht aufzuhören. Das ist der Fehler, den die meisten machen, sagt er: Machen Sie unbedingt weiter. Es wäre schön, wenn die innere Stimme mir beim Schreiben ähnliche Aufträge erteilen würde.
Diese neue Spielregel, dass man nicht aufgeben darf.
Als würde sich ein großes zu spät ausbreiten. Und verrückterweise öffnet dieses zu spät die Möglichkeit jetzt wirklich manche Fragen zu stellen. Mich diesen Fragen zu stellen. Nichts daran ist logisch, aber vermutlich ist es absolut menschlich.
Ich lese über 30 Jahre später noch einmal Christa Hoffmann-Riems „Das adoptierte Kind“. Plötzlich wird mir bewusst, dass ich versucht habe, meine Kindheitswunden wissenschaftlich zu versorgen, zu heilen womöglich. Die Hausarbeit über das adoptierte Kind, die Diplomarbeit über Sterben und Tod. Und beiden liegt die These zugrunde, dass wir unsere Wirklichkeit konstruieren, dass das wenigste im Leben selbstverständlich ist.
Du kannst es, das Schreiben, und ich denke, es gibt daran nichts zu zweifeln!
Vielen Dank! Aber zweifellos werde ich nie ohne Zweifel schreiben können 😉