Post vom Nachlassgericht. Schön, dass Sie sich 16 Jahre zu spät darum bemüht haben Ihre Mutter zu finden, wir hätten da ein paar Schulden, die Sie gerne begleichen dürfen.
Mittlerweile habe ich Geburts- und Sterbedatum meiner Mutter. Ich suche auf dem Dachboden meine Tagebücher aus dem Jahr 2010. Ich möchte wissen, was ich geschrieben und getan habe, am 10. September 2010, als meine leibliche Mutter starb. Ich schrieb: „Jetzt fange ich an, die Fäden zu spinnen. Jetzt fange ich an, die Träume zu verrechnen mit den Tagen. Es war einmal ein Kind, das fragte sich nicht, woher die Träume kamen. Es war einmal eine Geschichte, die fragte nicht danach, wer sie schrieb. Wer soll mir heute die Fragen aus dem Kopf waschen? Wer hat es damals getan? Mama, wie kann man aufhören Fragen zu stellen? Und sie antwortet mit dem Tod. Der ist nicht aus Glas. Über den legt einer den Deckel und dann sieht man nichts mehr, was wahr ist, nur noch Erinnerungen und das womit die Zukunft dir droht.“