Ich stellte mir das Leben, oder vielmehr den Überblick über mein Leben, immer ein wenig so vor, wie eine Wanderung auf einen Gipfel. Ganz oben angekommen, würde ich durch eine wundervolle Aussicht für die Anstrengungen des Aufstiegs belohnt. Ich könnte sowohl die Vergangenheit erkennen, die Wege, die ich zurück gelegt hatte, die Umwege die ich gegangen war, auch die Sackgassen in denen ich manchmal vor die Wand gelaufen war, als auch die Zukunft, die vor mir lag. Breite Straßen, auf denen es sich bequem vorwärts kommen ließ, unwegsame Strecken, die dennoch zu meistern wären. Aber dann, als ich die Lebensmitte erreicht hatte, und also den vorgestellten Gipfel, war alles trüb und verhangen. Von Aussicht keine Spur.
@muetzenfalterin
Diese Vorstellung von Lebenserfüllung als Bergwanderung habe ich auch zuweilen. Ganz allmählich schleicht sich die Erkenntnis ein, dass es womöglich nicht der eine finale Berg ist, sondern doch eher viele Hügel, oft genug im dicken Nebel … selten mit Aus- und Weitblick. Aussichtslos vielleicht auch der letzte Berg?
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