Abraham, der seinen Sohn anlügt. Um Gottes Auftrag zu erfüllen, muss er lügen. Dabei ist Lügen laut Augustinus eine Sünde.
Aber geht das überhaupt, ein Leben ganz ohne Lügen? Sind auch falsche Annahmen und Leichtgläubigkeit schon Lügen? Ist es eine Lüge, wenn ich eine falsche Wahrheit glaube und verbreite, ohne zu wissen, dass es sich um eine Lüge handelt? Ist vielleicht alles eine Lüge, was sich als Behauptung, als Tatsache und feststehender Fakt ausgibt? Fängt die Lüge bereits da an, wo wir kein Fragezeichen mehr an unsere Sätze hängen? Kann man in einer dauerhaften Fragwürdigkeit leben?
Was genau ist der Unterschied zwischen Lüge und Fiktion?
Gehört zur Wahrheit ebenso ein kleines Stück Lüge wie die Lüge, selbst eine sehr dreiste Lüge, immer noch ein bisschen Wahrheit enthält? Leben wir vielleicht immer in den Schnittmengen dessen, was wir trennscharf voneinander unterscheiden wollen?
Ein ungeheuer spannendes Thema. Die Abgrenzung fällt mitunter schwer. Interessante Fragen, welche Motive Lügen haben, wie sie gerechtfertigt werden, wie sie wahrgenommen werden, nicht zuletzt auch vom Angelogenen. Ich würde mich über eine Fortsetzung freuen.
Ich denke dieser Tage, dank deiner Anregung, sehr viel über das Lügen und die Wahrheit nach. Wo verlaufen die Grenzen? Fiktion ist, da bin ich sicher, oft näher an der Wahrheit dran als die verlogene Wirklichkeit. Fiktion ist wahrhaft, wenn es eine authentische Fiktion ist, die aus dem Leben schöpft und das Leben an sich aufdröseln und entwirren will, wohingegen Lüge ein Konzept ist, das der Verwirrung dient. (So irgendwie? Nur so ein paar Gedanken dazu.)
Ich danke euch sehr für die Resonanz, die ich sehr anregend finde. Auch ich würde mich über eine Fortsetzung freuen und fühle mich durch euch ermutigt.