(22)

Jetzt hängt also dieses Bild endlich wieder und ich habe das Gefühl es hat dieses Mal wirklich seinen richtigen Platz gefunden, es kommt dort viel besser zur Geltung als in der letzten Bleibe in meinem winzigen Arbeitszimmer. Manchmal liege ich jetzt auf dem Sofa und sehe es an, und erkenne immer mehr Details. Es ist als wären sehr zarte, feingliedrige und besonders schöne Geister darin verborgen, sie zeigen sich zögernd und schüchtern und man braucht Geduld, um sie zu erkennen. Aber unsere Beziehung ändert sich, je häufiger ich sie ansehe, je länger ich sie betrachte, umso schneller zeigen sie sich. Das Bild ist nicht nur groß und schön und geheimnisvoll, und endlich an seinem richtigen Platz angekommen. Es gibt auch eine Geschichte zu diesem Bild. Eine Geschichte von Großzügigkeit und Verbundenheit. Es mag ungefähr 15 Jahre her sein, Blogs waren noch kleine eingeschworene Gemeinschaften, man kannte sich und folgte einander, ohne sofort den Überblick zu verlieren. Eine Frau schrieb ebenso schön wie sie malte. Und irgendwann hatte sie ein Foto von eben dem Bild, von dem die ganze Zeit die Rede ist, geteilt. Ich kommentierte, was ich in dem Bild sah und das, was ich geschrieben hatte, hat sie so sehr gefreut, dass sie mir schrieb, es sei vollkommen klar für sie, dass dieses Bild mir gehört, weil es mit mir spricht, und ich solle ihr bitte meine Adresse schicken, damit das Bild an seinen Bestimmungsort gelangt. Bestimmt ist es auch diese Großzügigkeit, die mich immer wieder tröstet und ganz ruhig werden lässt, wenn ich das Bild ansehe. Danke liebe M., die ich leider inzwischen aus den Augen verloren habe.

1 Kommentar zu „(22)

  1. @muetzenfalterin

    Was für eine schöne Geschichte, dazu eine, die das Leben geschrieben hat.

    (Ein bisschen wehmütig denke ich genau jetzt an dieses Früher zurück.)

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