(24)

Je länger das Leben andauert, umso unwirklicher wird es. Das ist der Punkt, an dem ich es wage meinen Ursprung zu suchen.

Am Sonntag (City Post liefert vielleicht auch Sonntags aus, oder die Briefträgerin hat ihr Pensum am Samstag nicht geschafft) kommt der Brief vom Nachlassgericht. Für eine Auskunft benötigen wir… usw. Am Montag rufe ich zuerst dort und danach erneut beim Standesamt an. Was brauche ich genau? will ich vom Nachlassgericht wissen. Genügt die Kopie des Geburtsscheins? Ja, vermutlich genügt das, sagt die Mitarbeiterin dort. Also Anruf beim Standesamt. Ich benötige beglaubigte Abschriften von meinem Geburtsschein und meiner Geburtsbescheinigung, sage ich. So etwas gibt es nicht, sagt die Frau, die ich angerufen habe. Wir einigen uns darauf, dass sie mir einen Registerauszug der Geburten schickt. Jahrzehntelang nichts, und jetzt geht es Schlag auf Schlag. Aber ob mich diese, jetzt für mich selbst erstaunlich konsequent durchgeführte, Suche der Antwort wer ich bin näherbringt ist vollkommen offen.

Sie sind so mutig, sagt meine Therapeutin, und ich denke, dass sie doch eigentlich durchschauen müsste, dass ich andere Problembereiche öffne, weil ich mit den gegenwärtigen nicht fertig werde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert