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Nach und nach wird mir klar, warum sich auf meinem Schreibtisch immer wieder Bücher stapeln, die sich mit der Trauer beschäftigen. Der Unfähigkeit zu trauern, dem Phänomen der Trauer. Als ich noch sehr jung war hat das Leben einen Eimer Trauer über mir ausgeleert. Und ich habe versucht nicht darin zu ertrinken, mich freizuschwimmen. Aber die Angst ist geblieben. Ich habe nur knapp überlebt, und versuche seitdem die Trauer sorgfältig zu vermeiden. So sorgfältig, dass sie sich versteckt, wenn ich vorsichtig versuche mich ihr zu widmen, auszuliefern, sie Stück für Stück abzutragen.

In einem Flugblatt der Weißen Rose: „[…] und wer von uns ahnt das Ausmaß der Schmach, die über uns und unsere Kinder kommen wird, wenn einst der Schleier von unseren Augen gefallen ist und die grauenvollsten und jegliches Maß unendlich überschreitenden Verbrechen ans Tageslicht treten? […] Was aber tut das […] Volk? Es sieht nicht und es hört nicht.“

So hängt alles zusammen und es gibt kein Entkommen. Und vielleicht auch keinen Ausweg. Man muss sich dem allen aussetzen. Auch wenn es unmöglich erscheint.

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