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Statt sich den Vorwürfen zu stellen, statt zu überdenken, was er getan hat, und dass er vielleicht einen Schritt zu weit gegangen ist, zertrümmert Weimer weiter die Kulturlandschaft, jetzt brauchen wir also keine Bücher aus Papier mehr, es genügt, wenn das alles digitalisiert wird. (ich weiß, ich übertreibe, aber ich bin gerade wirklich aufgebracht). Irgendwo schreibt jemand, dass Weimer ja gar keinen Grund zur Reflexion hat, er kann seine Handlungen wunderbar als „Durchgreifen gegen Linksextremisten“ verkaufen (und die CDU kann sich damit wieder einmal und abermals an die Partei annähern der gegenüber angeblich eine Brandmauer besteht). Mein Verleger schreibt: „Das erinnert mich sehr an mein anderes Heimatland, die Türkei. Schlagzeilen sind wichtiger als Verantwortung zu übernehmen“. Ich höre immer seltener Nachrichten, weil ich Angst vor der nächsten Katastrophe habe. Ich meine, die Sanktionen gegen Russland aufgeben? Überlegen, dass es doch besser wäre wieder auf Atomkraftwerke zu setzen? Und wenn ich durch die Stadt gehe, laufe ich allenthalben und überall an riesengroßen Werbebotschaften vorbei, die aufrufen sich der Bundeswehr anzuschließen. Und ach herrje, das sind nur die Probleme, die wirklich so offen an der Oberfläche liegen, dass niemand sie übersehen kann.

Als ich kürzlich mit meiner Frauenärztin, sie ist in meinem Alter, darüber sprach, dass ich heute vermutlich kein Kind mehr in diese Welt setzen würde, sagte sie, dass es ja damals, als wir jung waren, auch keine unproblematische, einladende Welt gewesen ist: Kalter Krieg, Atomkraftwerke, Waldsterben. Ich weiß nicht, ob mich das tröstet.

3 Kommentare zu „(13)

  1. @muetzenfalterin
    Es fehlt uns an Tröstungen, denke ich zum wiederholten Mal. Aber tat es das früher auch schon oder wir ließen uns leichter trösten, weil da noch Hoffnung war?
    Wo fängt das Ende an? Und war es womöglich schon immer so und von Anfang an da?

  2. Unsere Generation hat sich damals gefragt, ob man in diese Welt ein Kind setzen dürfte. Im Nachhinein denke ich: es waren immer schlechte Zeiten, und auch im Dreißigjährigen Krieg sind noch Kinder geboren. Aber wünschen mag ich einem Kind diese Zeiten nicht. (Und dann muss ich wieder einmal daran denken, wie meine Großmütter je zwei Kinder durch den zweiten Weltkrieg gebracht haben – was für eine Angst müssen sie gehabt haben.)

    1. Ja, und wie schrecklich es jetzt sein muss für Mütter in all den Kriegsgebieten. Aber an all das denkt man ja nicht, wenn man sich für ein Kind entscheidet. Wäre man so reflektiert und würde alles mögliche bedenken, wäre die Menschheit längst ausgestorben, was mir Stand jetzt, nicht als die schlechtest Möglichkeit erscheint.

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