(4)

Seit ich die Absage der Ärzte aus Bonn habe, seit dieser kryptische Brief hier auf dem Tisch liegt, in dem mir mitgeteilt wurde, mein Fall sei zu speziell, mein Tremor zu wenig typisch, passieren mir häufiger Ungeschicklichkeiten. Ich gieße mir den Inhalt eines Glases versehentlich in den Ausschnitt, ich verschütte das Mehl, obwohl das Behältnis in das ich es schütten will, ausreichend groß ist. Vielleicht habe ich die Absage doch nicht so gleichmütig hingenommen, vielleicht ist all mein Gerede von „es wird schon gut sein so wie es ist“, nur Besänftigung. Auch bei der Arbeit nimmt die Behinderung immer mehr Raum ein, Raum der dann woanders fehlt, zeitlich, oder in Form von Fehlerfreiheit. Ich weiß wirklich nicht, wie das jetzt weitergehen soll, aber irgendwie wird es schon weitergehen.

Eine Freundin sagte kürzlich, dass es doch seltsam sei, dass die Inuit so viele Begriffe für Schnee haben und wir so gut wie keine Synonyme für Leere. Darüber denke ich seitdem nach. Vielleicht mache ich ein kleines Projekt daraus, indem ich versuche mich anzunähern an die unterschiedlichen Formen der Leere, für die uns die Begriffe fehlen.

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