Hier und da habe ich bereits davon gehört, gerade habe ich einen TAZ Artikel zu diesem Trend gelesen, Bilder aus dem Jahr 2016 zu posten. Ich habe stattdessen einen Text gefunden, den ich 2016 geschrieben habe, damals als es noch ein reges Blogleben gab. Irgendwie seltsam, dass der Text 10 Jahre alt und gleichzeitig absolut aktuell (für mich) ist. Hier ist er:
Früher sind die Geschichten aus mir herausgepurzelt. Ich bin aufgewacht, und schon vorher waren die Worte da, meine Hand bewegte sich einfach so über das Papier, willenlos irgendwie und unglaublich befriedigend und befreiend. Wann habe ich das verloren und warum?
Es muss etwas mit Erwartungen zu tun haben. Alles, was mir das Leben schwer und traurig macht, hat mit Erwartungen zu tun. Sobald die Erwartungen weg sind, wird alles leicht und hell und unerheblich. Als wären die Erwartungen das Brett vor dem Kopf, das jeden Blick verstellt und alles eng und beschränkt macht. Aber offenbar genügt es nicht, das zu wissen, um das Brett endgültig los zu werden. Vielleicht ist das „Ich“ dieses Brett und deshalb kann Kunst und Freiheit und Lust und alles, was wirklich schön und berauschend ist, nur entstehen, wenn man das los wird, selbstlos, das Icht nichten, wie Mechthild von Magdeburg es nennt, Simone Weil, Marguerite Porete. Diese Echtheit, die immer dann ganz selbstverständlich da ist, wenn man sich verliert, hingibt.
Mir ist klar, ich bin unruhig. Mir ist klar, ich bin durchsichtig, wie trübes Wasser. Mir ist klar, ich treibe auf dem Wasser, das mein Leben ist, egal wie sehr ich rudere, es ist vergeblich.
Dieser Tage dachte ich, dass ich nicht mehr mit der selben Leichtigkeit schreibe wie früher. Früher genügte ein Wort, ein Bild, ein Baum oder eine Straße, dass mir eine Geschichte einfiel, aber heute?
Manchmal, wenn ich diese Vergeblichkeit, die ich auch bestens kenne, erlebe, denke ich: Und wenn sie mein eigentlicher, mein letztlicher Lebensinn wäre?
Oh, das ist ein sehr wertvoller Gedanke. Danke dafür.