Kürzlich dachte ich: ich muss einmal wieder Anne Sexton lesen. Und holte dann aber kein Buch von ihr, keinen Gedichtband, sondern suchte im Netz nach ihrem Namen und stieß auf einen interessanten Beitrag, ausgerechnet zu ihrem letzten Gedichtband. Dessen Manuskript sie abgab, und sich dann im Pelzmantel ihrer Mutter mit einem Glas Whiskey in der Hand, in ihr Auto setzte, die Garagentür schloss und starb. Verrückterweise, und das fällt mir tatsächlich erst jetzt auf, haben sich sowohl Plath als auch Sexton mit Gas getötet. Sich das Leben genommen. Wie auch immer man es nennt, ist es falsch. Ist Selbstmord eine Selbstermächtigung? Kann man sich selbst ermorden? Oder ist es einfach nur der allerletzte Ausweg aus einem Leid, das einfach nicht länger zu ertragen ist?
Jedenfalls wurde in dem Beitrag Sextons verzweifelte Suche nach Gott thematisiert. Ihr Rudern zu Gott. In diesem grandiosen letzten Gedichten. Elisabeth Bronfen, die auch diesen, von Silvia Morawetz übersetzten Band „Buch der Torheit – Das ehrfürchtige Rudern hin zu Gott“, herausgegeben hat, beschreibt im Vorwort Sextons „Verwandeln der tradierten Geschichte um die Passion Christi, als [den] Versuch, eine Gottesfigur zu entwerfen, die die Grenze zwischen Männlichem und Weiblichem, zwischen Mensch und Tier, zwischen privater und öffentlicher Geschichte verflüssigt und überschreitet.“
Und jetzt werde ich mir die Zeit nehmen, um erneut die großartigen letzten Gedichte Anne Sextons zu lesen.
Mein Gott, ist das gut.
Ich kannte Anne Sexton bisher nicht.
Was wäre mir entgangen. Gleich morgen werde ich nach Hamburg fahren und die Bücherhallen belagern.
Genau das denke ich auch immer, wenn ich sie lese: Mein Gott, ist das gut.