Vielleicht liegt ja es ja nur an mir, an falschen Algorithmen, verkehrten Listen, aber sobald ich die sozialen Medien öffne, überkommt mich eine große Müdigkeit. Überforderung und Müdigkeit. Es ist mir alles zu viel. Und gleichzeitig ist es mir zu wenig. Zu viel Meinung, zu wenig Auseinandersetzung. Zu viel Wut, zu wenig Analyse. Jedenfalls überkommt mich ein großer Überdruss. Während ich Zeitschriften, insbesondere Literaturzeitschriften so langsam und mit so viel Gewinn lese, dass ich sie häufig nicht zu Ende lese, weil ich zwischendurch so viele Anregungen bekommen habe, welches Buch ich unbedingt noch lesen möchte und dann ist der Stapel der Zeitschriften und Bücher wieder so hoch, dass ich denke, ich werde ihn in der verbleibenden Lebenszeit nicht mehr bewältigen können. Also auch hier ein zu viel. Aber eines der ganz anderen Art. Ich lese z.B. die aktuelle Volltext und finde darin die Lektürenotizen von Jan Wilm. Bereits seine erste Notiz von Tomas Tranströmers Die Erinnerungen sehen mich an machen mich neugierig. Und tatsächlich ist dieses schmale Büchlein, in dem Tranströmer in acht Prosaminiaturen auf sein Leben zurücksieht wunderschön und wertvoll. Es ist also insgesamt beruhigender, befriedigender und schlicht schöner in diesen Zeitschriften und Büchern zu lesen. Andererseits denke ich häufig, ich darf doch auch diese anderen Medien nicht ganz vernachlässigen, denn wenn ich es tue, bin ich ja völlig aus der Zeit gefallen. Am Ende bleibt eine gewisse Ratlosigkeit.
@muetzenfalterin
Ich finde es wunderbar, wie viel Inspiration dir aus Zeitschriften zuwächst. Das ist doch die Hauptsache. Nichts muss, vergleichen eh nicht.
Für mich ist Social Media vor allem Austausch (und gemeinsamer Empörungsaustausch), da hab ich wohl schlicht andere Erwartungen als du …
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Liebe Elke, ich reiche dir die Hand! So geht es mir auch. Allein das Erfassen und Verstehen der neuen Techniken und „Heute“-Wörter, damit ich irgendwie, irgendwie dranbleibe. Auch Unmut inzwischen, mich in komplizierte neue Sachverhalte, Programme und Apps der Kommunikation reinzuarbeiten! Unsere Interessen sind vielfältig – und man m ö c h t e auch verstehen! Es ist nicht zu schaffen. Vielleicht konstruiert und installiert die AI/KI uns auch noch ein tagesaktuelles Nebenhirn. An manchen Tagen nutze ich nur die Headlines an Tagesgeschehnissen. Und scheue mich nicht, in Gesprächen etwas nachzufragen oder mich (kurz) aufklären zu lassen.
Vor etlichen Jahren schon hat ein enger Freund, sehr interessiert inkl. Politik Wirtschaft Fliegerei Bücher, seine eine Tageszeitung gekündigt. FAZ und SPiegel täglich … Dem erstaunten Kundenbetreuer am Telefon sagte er, nach dem ‚warum?‘ gefragt: Ich fühle mich überinformiert.
Eine gut formulierte Antwort, wie ich fand!
Eine Lösung oder besondere Form der Gewichtung ist mir auch noch nicht eingefallen. Aber dass ich es nicht schaffe, alle mich interessierenden Literatur- und Lyriktitel zu lesen, ist Tatsache.
Also weiter bis zu den Ellebogen weiter in Schönem und Wissenswertem!
Liebe Grüße, Bess
Apropos, seit einigen Wochen bietet mir mein Mailprogramm ein Anklickkästchen, worin Artikel oder Briefe auf das Wichtige eingekürzt sein sollen. … N e i n , nicht noch etwas anleiern. B.