Die Frage nach der sozialen Stellung, nach dem Platz in der Gesellschaft, und diese schwammigen, unklaren Begriffe von Ehre und Stolz, die gerade darum so weitreichend sind. Die Mutter stirbt, bevor das Kind mit ihr darüber sprechen kann, bevor die Fragen im Kind herangewachsen und gereift sind. Es gibt so viele Dinge, die nicht ausgesprochen, nicht einmal angesprochen werden dürfen. Es scheint häufig wichtiger, was „die Leute denken“, als die Frage, was das Kind denkt, was das Kind fühlt und braucht. Das Kind soll so sein als ob. Es soll sich wie ein anständiges Kind benehmen, ein Kind, das zu diesen Eltern passt. Ein Kind, das seinen Vater verloren hat, aber immerhin noch eine Mutter hat. Die es nicht bloßstellen soll. Es ist peinlich genug, dass das Kind nach der Einschulung wieder zurückgestuft wird, dass es die Vorschule besuchen muss, weil es offenbar trotz seiner 6 Jahre noch nicht schulreif ist. Es ist nicht so, dass das Kind tobt und weint, oder sonstwie auf sich aufmerksam macht. Es ist nur auf verletzende Art zurückgezogen. Es verkriecht sich in sich selbst und scheint seine Tränen nach innen zu weinen. Im Kind ist ein riesiges Wasserbecken, in dem es häufig ertrinkt, ohne nach Rettung rufen zu können.
Es gibt keine Antworten. Auch keine schriftlichen Hinterlassenschaften. Nur die klare Überzeugung, dass diese Begriffe eine Rolle gespielt haben, für einige (auch für das Kind) weitreichende Entscheidungen verantwortlich gewesen sind. Was bleibt sind Mutmaßungen, um die Lücken der Geschichte zu füllen, um die Fragen nicht so groß werden zu lassen, dass sie die Geschichte zerreißen oder abbrechen lassen.
Was erheblich ist und was unerheblich, und dass jeder eine andere Antwort auf diese Fragen geben wird. Und die Antworten sich darüber hinaus im Verlauf des Lebens ändern. Weil es eben nur wenige Wahrheiten gibt, aber unendlich viele Wirklichkeiten.