Longlist – Leseverhalten

Es war sicher auch die Liste der für die Longlist nominierten Bücher, die mich dazu gebracht hat mir jetzt doch das Heft der Neuen Rundschau über „Gegenwartsliteratur“ zu besorgen. Ich fühle mich aus der Zeit gefallen, kaum ein Name auf der Liste sagt mir etwas, was ich lese taucht selten auf irgendwelchen Listen auf und ich frage mich, ob das eine ganz normale Erscheinung ist, weil ich eben älter werde und irgendwann den Zeitgeist hinter mir gelassen habe, weil ich noch in einem anderen Zeitgeist gefangen bin, oder ob es daran liegt, dass ich kritischer geworden bin und mich längst nicht mehr alles interessiert, was hoch gepriesen wird. Während ich nun auf die Rundschau warte, um dort vielleicht die eine oder andere Antwort auf meine Fragen zu finden, lese ich weiter Lize Spits Autobigrafie meines Körpers. Ein Buch, das mich beeindruckt, weil es erzählt, wie wichtig der Autorin Worte sind, wie sehr sie die Fähigkeit zu schreiben regelrecht rettet und wie schwer es gleichzeitig ist und bleibt wirklich miteinander zu reden. Erst als die Mutter sterben wird, wagt sie es Fragen zu stellen, Dinge anzusprechen, die ihre Kindheit geprägt haben, die eine Belastung waren und sind. Aber es sind auch ganz konkrete Sätze, die wie für mich geschrieben scheinen. Sätze wie diese: „Darum geht es immer: was andere von uns denken. Was wir von uns selbst denken, wie wir uns selbst sehen, ob wir Wachs essen oder nicht, das ist von untergeordneter Bedeutung.“ Das ist ein Satz, in dem ich vieles aus meiner Kindheit und Jugend wieder erkenne, der aber gleichzeitig darüber hinaus geht, weil er es so klar benennt, weil er benennt, dass die Bedeutung des Eindrucks auf andere impliziert, dass die Bedeutung der internen Prozesse und vor allem die Bedeutung der einzelnen unterordnet. Manchmal sind es diese Kleinigkeiten, die etwas auslösen oder lösen, die mir helfen weiter zu denken. 

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