Gestern bei einer von Brigitte Siebrasse organisierten Veranstaltung Sibylle Prins entdeckt.
Im schönen Wechselspiel zwischen von Leonore Franckenstein gelesen Texten und von Renate Schernus beigesteuerten biografischen Episoden, lernte ich eine beeindruckende Frau kennen.
Eine Frau, die sich ihren Psychosen zum Trotz das Bewusstsein bewahrt, im Kern gesund zu sein. Ein Bewusstsein, das ihr erlaubt eine ironische Distanz aufzubauen. Weniger zur Krankheit selbst, die sie notgedrungen ernst nehmen muss, aber zum gesellschaftlichen Umgang mit psychisch kranken Menschen.
Ich selbst ertappe mich nach einiger Zeit dabei, dass ich mehr dramatische Einzelheiten erwartet habe. Etwas in der Art, wie Prins es im Interview mit der Zeitschrift Brigitte geäußert hat:
„Die Stimmen sagen mir, es käme eine Atomkatastrophe aus dem Osten auf uns zu, die ganze Welt würde vernichtet, es wäre nun meine Aufgabe mitzuhelfen, die Welt und die Menschheit zu retten. Ich beschimpfe die Stimmen unflätig dafür, dass sie mir, einem kleinen Menschen, so eine übergroße Aufgabe auferlegen, mich für ihre Zwecke benutzen. Aber die Stimmen versichern mir, sie würden mir helfen. Zum Beweis, dass das alles wahr ist, hüpft die untergehende Sonne am Horizont auf und ab, die nahe liegende Kirche schickt mir Lichtzeichen durchs Fenster.“
Die Veranstalterinnen erfüllen diese Erwartung nicht, sondern konfrontieren mich mit meinen eigenen Vorurteilen. Gut so.
Denn Sibylle Prins, das wird bereits nach den ersten Worten deutlich, war sehr viel mehr als eine Frau, die gelegentlich von Psychosen heimgesucht wurde.
Eine sehr gute Biografie findet sich hier.