Die Müdigkeit, von der ich dachte, sie könne gar nicht schlimmer werden, ist jetzt so bleiern, dass es sich anfühlt als lägen Gewichte auf meinem Körper, die immer dann noch schwerer werden, wenn ich versuche aufzustehen.
Bei der Arbeit höre ich Podcasts über Depressionen. Fast alle Betroffenen sagen, es habe diesen Punkt gegeben an dem sie sich nicht wiedererkannt haben. Das war ich nicht, sagen sie und das sei dann der Punkt gewesen an dem sie begriffen hätten, dass sie sich Hilfe suchen müssen. Sie sprechen davon, wie sie jetzt gut auf ihren Körper achten und überhaupt achtsam sind, wie sie Atemtechniken gelernt haben und wie wohltuend es ist, offen über alles zu reden, wie sie Grenzen ziehen und überhaupt, wie erleichternd die Diagnose Depression für sie gewesen ist, weil sie sich nicht länger schuldig fühlen mussten, sondern begriffen haben, dass sie an einer Krankheit leiden. Sie sagen, dass es ihnen jetzt gut geht, sie aber wissen, dass diese Veranlagung da ist, und sie deswegen besonders vorsichtig sein müssen.
Ich merke wenn es mir wieder schlechter geht, dass es offensichtlich Phasen gegeben hat, in denen es mir besser ging. So schlimm war die Müdigkeit früher nicht, denke ich und das Aufstehen war kein Kampf gegen diese Gewichte, ich habe den Haushalt hinbekommen, sogar in der Woche nach oder vor der Arbeit. Jetzt ist ein Tag voll und mein Energiehaushalt vollkommen verbraucht, wenn ich neben der Arbeit noch einen weiteren Termin habe. Was ich damit sagen will: ich suche noch immer nach Vorbildern und vorgestanzten Lösungen, ich bin noch immer verunsichert, wenn ich mich nicht wieder finde in den Erzählungen vom Erleiden und Überwinden einer Krankheit, die ich doch auch habe. Die ich aber anders erzählen muss, weil sie sich anders äußert bei mir.
@muetzenfalterin
Das ist, finde ich, ein hilfreicher Einstieg in deine eigene Depressionsgeschichte.
Erzählen wir womöglich unsere Geschichten auch deshalb, weil wir hoffen, dass sich womöglich andere in ihnen wiedererkennen werden und wir uns dann doch nicht ganz allein mit unserem Erleben begreifen, sondern uns verbunden wissen dürfen?
Remote-Antwort
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Das ist ganz bestimmt so, dass wir hoffen andere zu finden, die ähnlich empfinden, um Verbundenheit fühlen zu können, aber sicher auch der (lange unterdrückte und immer noch irgendwie als falsch empfundene) Wunsch, gesehen zu werden. Und ich habe tatsächlich gemerkt (heute jedenfalls), wie gut es tut, das einfach aufzuschreiben und dann auch noch zu teilen. (dieses ganze: Das tut man nicht, darüber spricht man nicht usw., mit dem ich erzogen worden bin, über Bord zu werfen).