Plötzlich fängt es an zu regnen, der Regen peitscht gegen das Fenster, als ich gerade einen Absatz geschrieben und dann wieder gelöscht habe. Was zu der Geschichte, die Mondbeben erzählt, passt. Denn nach und nach löscht die Realität die Wunschvorstellungen des Paares aus, überschreibt sie. Die Geschichte verliert mich, anfangs war die Sprache beinahe ein Sog, ich ließ mich tragen von diesem Rhythmus und den hingeworfenen Szenen. Eigentlich hat sich nicht viel geändert, es ist lediglich deutlich geworden, dass die beiden hereingelegt worden sind, dass sie in eine Falle getappt sind, offensichtlich haben sie sich niemals informiert über das Land in das sie auswandern wollten. Dort herrschen Unruhen, Armut und Korruption. Sowohl Helene als auch Olav haben mit gesundheitlichen Problemen zu tun, sie kehrt zurück, er bleibt. Als würde ich erst jetzt bemerken, dass die Figuren seltsam blutleer sind, eigentlich nur vom Rhythmus der Sprache getragen.
Vielleicht aber ist es etwas ganz anderes, dass das Lesen plötzlich verändert hat. Vielleicht hat die Geschichte viel mehr mit mir zu tun, als ich wahrhaben möchte. Dieses Übersehen von offensichtlichen Dingen, die Naivität mit der auch ich immer wieder glaube das Glück nur einfach beim Schopf packen zu müssen und es auf Postkartenbildern im Netz zu finden. Das ist nichts, was mir vollkommen fremd ist. Ich suche zwar kein Haus am Meer, aber immer wieder eine Lösung, einen Trost, einen Ausweg, Heilung! Gleichzeitig übersehe ich deutliche Anzeichen einer erneuten Krise so lange wie möglich, halte fest an Bildern, die längst nicht mehr der Realität entsprechen. Ich wünschte ich könnte wenigstens die Geschichten, die ich in Büchern lese, einfach Geschichten sein lassen, ohne sie auf mich zu beziehen, oder mich von ihnen abzugrenzen.