Lesetagebuch Ludwig Fels – „Mondbeben“

Alles ändert sich. Immer schon hat sich alles ständig geändert, aber jetzt fällt es mir auf, jetzt fällt es mir anders auf, weil ich es anstrengend finde, weil ich viele Veränderungen bedauere. So gibt es z.B. schon seit einiger Zeit nicht mehr diesen Tisch in der Bibliothek, auf dem ich immer wieder tolle Bücher gefunden habe, solche aus der SWR Bestenliste oder andere Neuanschaffungen. Jetzt bin ich also dazu übergegangen bewusst nach bestimmten Büchern zu suchen und manchmal finde ich dann unter dem jeweiligen Buchstaben unter dem ich suche, Bücher, die herausgestellt sind, leider ganz unten im allerletzten und bodennahen Regalbrett, aber noch ist die Freude über zufällige Fundstücke größer als die Schmerzen im Knie und der leichte Schwindel, wenn ich mich wieder aufrichte. Jedenfalls bin ich auf diese Weise auf das Buch Mondbeben von Ludwig Fels gestoßen. Erzählt wird von einer unverhofften Erbschaft, die es einem Paar mit besonderer Vorgeschichte, ermöglicht ein Haus im Ausland zu kaufen. Es ist dieser Traum irgendwo anders, in einer exotischen Gegend sogar, ganz neu anzufangen, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, sich oder wenigstens das eigene Leben ganz neu zu erfinden. Das Paar im Buch ist offenbar schon etwas älter, aber trotzdem erinnert mich dieses Phänomen an ein Gespräch, das ich kürzlich in der Straßenbahn gehört habe, dabei unterhielten sich ziemlich junge Menschen, vier Männer, ungefähr Anfang zwanzig, die ihr Geld offenbar mit zumindest zweifelhaften Geschäften verdienten, und einer von ihnen gestand den anderen, er träume davon in einer anderen Stadt, wo ihn niemand kennt, noch einmal ganz neu anzufangen. Mich hat das traurig gemacht. Um aber mit einer anderen Traurigkeit zu enden; hinten im Buch, das beim Verlag Jung und Jung erschienen ist, entdeckte ich überraschenderweise meinen eigenen Namen unter einem Zitat aus einer Besprechung zu einem anderen in diesem Verlag erschienen Buch. Damals, als es Fixpoetry noch gab. Dass mich das traurig macht, ist vielleicht ein Zeichen dafür, dass es mir gerade ohnehin wieder schlechter geht als es sollte, oder es ist eine ganz normale Nostalgie, weil eine wirklich schöne Zeit zu Ende gegangen ist.

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