(54)

Es ist merkwürdig. Eigentlich ist mir gerade kaum zum Reden zumute. Eigentlich würde ich gerne in irgendeiner Falte der Zeit verschwinden, zensiere nicht nur jedes Wort das ich schreibe, sondern sogar jeden Gedanken, den ich denke und trotzdem (oder gerade deswegen?) poste ich jeden Tag etwas. Ein Lesetagebuch, eine Zitatgeschichte. Ich weiß nicht, warum ich das tue. Oder ich weiß es vielmehr ganz genau. Aber ich schäme mich dafür. Hört das eigentlich nie auf mit der Scham? Egal wie aufgeklärt die Gesellschaft angeblich inzwischen ist, egal wie alt ich tatsächlich inzwischen bin? Scham für Defizite, für immer wiederkehrende Krankheiten, für Leistungsschwäche? Der Zwang mir zu beweisen, dass ich doch etwas schaffe, statt mir zu erlauben so zu sein, wie ich bin. Manchmal kreativ, manchmal einfach nur erschöpft. Immer ich selbst. Statt ein Abbild von mir, das Richtlinien folgt und Ansprüchen, die es nirgendwo gibt, außer in meiner fehlgeleiteten Vorstellung.

4 Kommentare zu „(54)“

  1. @muetzenfalterin

    Irgendwie hab ich, je älter ich werde, den Verdacht, dass diese Gefühle und Gedanken, diese Selbstzweifel und diese Selbstkritik der Preis für ein sensibles, reflektiertes Leben sind. Die Alternative, nichts zu fühlen, nichts (an sich) in Frage zu stellen, kommt für mich nicht in Frage. Dann lieber so …

    Auch du wärst ohne deine Zweifel und dein Hinterfragen letztlich unglücklicher, und deine Text würden mich (und andere) weniger berühren.

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