„Ich besitze drei Katzen und werde demnächst sterben.“ [Valeria Luiselli]

Die Katzen waren plötzlich da, wie Vorboten des Todes. Sie werden also wissen, worauf sie sich eingelassen haben, dachte ich. Inzwischen sind sie mir ans Herz gewachsen, ich betrachte sie nicht länger als Leichenfledderer, als berechnende Kreaturen. Woher hätten sie wissen sollen, dass meine Krankheit mich sehr bald schon zur Strecke bringen würde? Dennoch ist es merkwürdig, dass sie zu dritt erschienen sind, wie die drei Nornen. Manchmal versuche ich sie zuzuordnen, welche benimmt sich wie die Vergangenheit? Welche sieht aus wie die Zukunft, und welche von ihnen ist ganz und gar Gegenwart? Ich komme jeden Tag zu anderen Antworten. Aber am wichtigsten ist vielleicht: ich fürchte mich weniger vor dem bevorstehenden Sterben, seit die Katzen da sind. Genau drei. Ich besitze sie so wenig wie meinen Tod, oder mein Leben. Aber wir teilen eine besondere Zeit, eine in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf unheimliche Weise ineinanderfließen, so dass sie kaum noch zu unterscheiden sind.

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