Unerklärliches Leseverhalten

Vor knapp 4 Wochen hat mir A. ungebeten Knausgards „Morgenstern“ mitgegeben. Sein Buch über Amseln Kiefer hätte mich interessiert, Marina Büttner hatte das sehr gut besprochen auf ihrem Blog. Aber einen neuen Roman, der ähnlich wie damals mit Sterben, Lieben, Spielen usw. als Mammut Projekt angelegt ist, nein das stand wirklich nicht auf meiner Leseliste. Und ich schreibe das, weil etwas sehr merkwürdiges passiert mit mir. Ich habe den Morgenstern also gelesen. Hier arbeitet Knausgard abermals, wie bereits in seinem m.M. nach besten Buch „Alles hat seine Zeit“, mit der Bibel. Dieses Mal stellt das Buch der Offenbarung das Motto.

Ich erinnere mich wie großartig er die Geschichte der Sintflut auf seine eigene Art erzählt hat in „Alles hat seine Zeit“, und ob ich es will oder nicht, zieht mich auch „Der Morgenstern“ bereits nach wenigen Seiten in seinen Bann. Ich lese nicht nur diesen Roman, der immerhin über 800 Seiten stark ist, relativ schnell. Obwohl so viele Dinge minutiös geschildert werden, wie Spülmaschinen angestellt werden, die Wege von A. Nach B., wie sich jemand an- und später wieder auszieht. Eigentlich wäre all das enervierend, aber ich nehme das so hin. Und werde tatsächlich am Ende gewissermaßen entschädigt, denn dieser Essay des Egil, ist wirklich gut und voller Ideen, die ich gerne weiterdenke. Aber damit nicht genug. Ich gehe tatsächlich in die Bücherrei und leihe mir den Folgeband „Die Wölfe aus dem Wald der Ewigkeit“ aus.

Inzwischen ist nach fast 300 Seiten so gut wie nichts passiert. Die Mutter hat Probleme mit dem Rücken, der 12jährige Bruder befindet sich in diesem Zustand zwischen dem Ende der Kindheit und dem weiter Festhalten an der Kindheit, es wird Fußball gespielt und gekocht, es gibt Mädchen und eine Kiste mit den Hinterlassenschaften des verstorbenen Vaters. Es gibt einen Artikel für den sich der Protagonist schämt, einen ihm selbst unerklärlichen Gewaltausbruch und die Brüder beginnen vom Vater zu träumen, der seit vielen Jahren tot ist. Dinge, die im Grunde auf maximal 20 Seiten auserzählt wären, aber ich lese trotzdem weiter. Ohne wirklich sagen zu können warum.

4 Kommentare zu „Unerklärliches Leseverhalten

    1. ja, stimmt. aber da habe ich es verstanden. das war einfach so eine neue rücksichtslose art zu schreiben, dass es auf mich befreiend gewirkt hat. aber was um himmels willen ist es jetzt, das mich immer weiter lesen lässt?

  1. Mir ging es mit Knausgard oft ähnlich. Für mich ist es das Gegenteil von etwas verdichten, was aber auch dazu führt, die Schönheit des Alltags offen zu legen. Wenn ich einmal mit Knausgard begann, konnte ich ihn nicht mehr weglegen. obwohl ich mit vielem auch fremdelte.

    1. Ja, da sprichst du etwas an, worüber ich mir die letzten Tage auch Gedanken gemacht habe; es ist dieses Unspektakuläre, die Ausführlichkeit und, wie du sagst; der Alltag. Gegenteil von Verdichten trifft es sehr gut!

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