Alle wirklich guten Fragen sind ja die, die nie beantwortet werden können, bei denen die Antworten (sofern es welche gibt) durchlässig bleiben und beweglich.
Lese bei Xeniana: „Lese bei Atwood: “ Was ist Blendwerk, was Authentizität? Welche Gefühle, Verhaltens-und Sprechweisen sind ehrlich und wahrhaftig, welche gespielt und manieriert?“
Ganz bestimmt gehört diese Frage zu den guten Fragen.
Gute Fragen sind solche, zu denen ich Antworten habe, die ich sofort wieder verwerfen muss, oder zumindest einschränken oder erweitern. Die nicht selbstverständlich sind, sondern viele Seiten haben, von denen jede Antwort zwei wichtige vergisst. Ich denke Verena Längle könnte die Natur, das Pflanzen- und Tierreich dazu heranziehen und eine bedenkenswerte Antwort geben.
Ich weiß nur, dass ich mich gerne blenden lasse. Und jeden Menschen erst einmal für wahrhaftig halte. Ist das dasselbe wie Authentizität? Deswegen vermutlich passiert es mir immer wieder, dass ich Menschen, die ich nicht sonderlich mochte, sobald ich sie besser kennenlerne ins Herz schließe. Aber auch, dass Menschen, die ich bewunderte bei einer näheren Betrachtung entzaubert werden.
Gefühle, die nur Blendwerk sind, manieriert. Welche könnten das sein? Ausgestellte Trauer? Wie wäre das z.B. bei den Klageweibern? Ist das manieriert? Oder wirklich empfunden?
Manchmal bei der Therapie habe ich das Gefühl, meine Gefühle so zu beschreiben, wie sie gar nicht sind. Sie sind unerklärlich. Wie könnte ich sie dann aufrichtig beschreiben? Braucht es dazu nicht einen Zwischenschritt? Louise Bourgois hat sich mit ihren Gefühlen auseinandergesetzt, indem sie Kunst geschaffen hat. Noch Mitte der 90er hat man (haben sie die Männer, die männlichen Kritiker) sie nicht verstanden. Ist es zu kurz gegriffen, zu behaupten, dass Männer sich eben nicht mit so etwas unsichtbarem wie Gefühlen abgeben wollen? Dass sie die Großartigkeit von Gesten bevorzugen? Was häufig gleichzusetzen ist mit Blendwerk? Weil Blendwerk, weil große Gesten viel weniger beunruhigend sind?
Wahrlich gute Fragen und Nachdenkstoff für mich. Danke an dich und Xenia.
Die Entzauberung ist mir nicht unbekannt, genauso wenig wie die Enttäuschungen. Mehr vermag ich gerade nicht zu schreiben.
Herzlichst, Ulli
Danke für diese Inspiration.
Was ist wirklich echt? Da kaue ich schon lange dran herum.
Ja, das ist natürlich wahr, da bediene ich einfach ein Klischee. Allerdings ist es ja leider nicht ganz aus der Luft gegriffen. Gerade die Kritik ist ja lange sehr patriarchal vorgegangen. Aber natürlich sind nicht alle so und letztendlich wünsche ich mir, dass wir endlich über unterschiedliche Menschen reden können und diese Mann Frau Dichotomie hinter uns lassen. Mache dann aber genau das, worauf du mich vollkommen zu Recht aufmerksam machst.
@muetzenfalterin Den Gedanken, dass die guten Fragen jene sind, die keine leichte Antwort haben, finde ich ansprechend, dass ist wohl so. Oder auch jene Fragen, auf die verschiedene Menschen verschiedene Antworten haben.Das Männer sich nicht mit Gefühlen abgeben wollen halte ich jedoch tatsächlich für zu kurz gegriffen. Das ist sehr allgemein formuliert und es liest sich, als ob Männer generell Blendwerk bevorzugen würden. Es gibt auch bei uns Männern sehr große Unterschiede. Ich kenne Männer, die sich mit Gefühlen auseinandersetzen und halte mich selbst auch dafür. Auch Frauen können Probleme haben, sich ihren Gefühlen zu stellen.Vielleicht hilft es, auch auf die Männer zu schauen, die auf dem zweiten Blick erkennbar werden, weil sie sich nicht mit Blendwerk in den Mittelpunkt stellen, oder einfach leise Menschen sind oder sich nicht mit Blendern zu messen versuchen.
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Nachtrag: vielleicht ist es nicht nur eine Sache von Männlichkeit und Patriarchat, sondern allgemein ein Problem einer kapitalistischen Gesellschaft, in der man sich behaupten muss, sein Gesicht wahren, sich keine Blöße geben darf. Da passiert ja gerade einiges, aber erst seit kurzer Zeit. Und wer weiß, wie es weitergeht. Ich merke jedenfalls, dass es bei Gesprächen um Kunst und Literatur vielen Menschen schwer fällt, sich einzulassen, ohne unbedingt eine Antwort, eine Formulierung, einen Standpunkt zu finden. Das macht Angst. Das macht verletzlich und angreifbar.
Alles noch unausgegorene Gedanken. Aber vielen Dank für den Impuls daran weiter zu denken.
@muetzenfalterin Sich selbst verletzbar zu zeigen, ist ein Kommunikationsschritt, der Mut erfordert, und Selbstwertgefühl. Das nicht zu können habe ich bei Frauen und Männern erlebt. Es jedoch zu tun, ermöglicht dem Gegenüber, das sonst eventuell zugeknöpft ist, auch, sich zu öffnen, vielleicht zu helfen, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben oder sich ebenfalls verletzlich zu zeigen. Mit Menschen die dies können, ohne dabei andere auszusaugen, möchte ich meine Zeit verbringen.
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Ja, genau so.