Paula Fürstenberg, erinnere ich mich während des Lesens, ist ja eine der Herausgeberinnen (gemeinsam mit Daniela Dröscher) dieses fabelhaften Sukultur Bandes Soll & Habitus. Ich lese jetzt seit ein paar Tagen „Weltalltage“ von ihr, weil ich zuvor in der Spritz davon gelesen hatte, wie sie mit Dankbarkeit umgeht, was sie über dieses Phänomen denkt. Und sie hat mich neugierig gemacht, auf dieses Buch von dem immer mal wieder am Rand die Rede war. Sie erzählt darin von allem möglichen; davon wie jemand Schriftstellerin wird, von Freundschaft, von Krankheit, von Herkunft, von Geld und Armut und von alleinerziehenden Müttern. Sie tut es auf eine eigenwillige Weise, die sich dennoch in ein Ganzes fügt. Vielleicht ist es wirklich alles andere als ein Zufall, dass ich ausgerechnet dieses Buch gefunden habe. Vielleicht ist es ein sanfter Hinweis des Schicksals, dass es möglich ist diese Geschichten zu erzählen, die ich erzählen möchte.
Und dann ist da wieder diese Stelle, die scheinbar immer häufiger auftaucht in Büchern; wie sich jemand bewusst wird, dass sie die Regeln nicht kennt, dass sie auffällt, weil ihr all diese selbstverständlichen Gesten eben nicht selbstverständlich sind. (Und es ist übrigens wirklich toll, wie Paula Fürstenberg immer wieder sehr gute körperliche Bilder dafür findet, für diese fehlende, oder eben vorhandene Selbstverständlichkeit). Wie kann das sein, denke ich wieder und wieder, denn ich bin eindeutig ein Arbeiterkind, die erste der Familie, die studiert hat und ich habe einfach in den Seminaren gesessen und auf den Parties getanzt und dieses Gefühl nicht dazu zu gehören, die Codes nicht zu beherrschen, das ja hätte da sein müssen, habe ich nie bemerkt. Und dann denke ich, dass die ganze Unsicherheit, die ich immer empfunden habe und noch immer empfinde, vielleicht nicht nur diese ganz normale Unsicherheit war und ist, die eben zu mir gehört, sondern auch ein Ausdruck von fehlendem kulturellen Kapital, von Habitus.
Dankeschön für diese kleine Buchbesprechung!