Gestern habe ich einen tollen Absatz gelesen, der sehr gut erklärt, warum jede Depression die nächste optimal vorbereiten kann, den werde ich zitieren, weil ich ganz viel verstanden habe dadurch und ich will mir immer wieder diesen sehr wahren Satz aufsagen: Du darfst nicht alles glauben, was du denkst. Ein wenig hat mir das heute während einer fast schlaflosen Nacht geholfen.
Katty Salié zitiert in ihrem Buch: „Das andere Gesicht“ Thorsten Barnhofer, und der wiederum erklärt wie negative Denkmuster während einer Depression funktionieren: „Leute, die in einer akuten Depression sind, verbringen bis zu 75 % ihrer Zeit am Tag mit ruminieren (einer Art Dauergrübeln). Sie befinden sich in einem Modus des Denkens, der auf Problemlösung ausgerichtet ist. Das ist, wenn man nicht erkrankt ist, gut und zielführend – wer aber depressiv ist, der denkt aus einer schlechten Stimmung heraus und hat es schwerer, zu einer Problemlösung zu kommen, da die Probleme häufig nicht klar definiert sind – alles ist schwarz, Problemlösung nicht möglich, das Denken kreist, was die Stimmung weiter verdunkelt. Das ist eine Spirale nach unten. Stellen Sie sich vor: Der oder die depressiv Erkrankte ruminiert in einer Episode wochenlang, jeden Tag zu 75 % der Zeit. Wenn man dieselbe Zeit damit verbringen würde, ein Stück am Piano zu erlernen, könnte man dieses Stück nach einigen Wochen richtig, richtig gut spielen. Und genau das passiert auch mit den negativen Gedanken: die werden richtig gut eingeübt – funktionieren irgendwann automatisch. Wenn dann mal wieder auch nur der Funken einer schlechten Stimmung kommt, kann die Depression wieder relativ leicht angestoßen werden, so wie ein Stück auf dem Piano aus der Erinnerung heraus perfekt heruntergespielt werden kann. Depressive Prozesse sind also von Episode zu Episode leichter loszutreten.“ Das mag jetzt erst einmal sehr entmutigend klingen, für mich ist es aber gleichzeitig total hilfreich zu verstehen, warum die Depression erstens immer wieder kommt und zweitens in scheinbar kürzeren Abständen, dafür aber mit umso mehr Kraft. Jede Transformation beginnt mit Selbsterkenntnis sagte eine Freundin heute. Und dass ich das so sehen kann, spricht wohl dafür, dass es wieder besser wird.