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Das Bindegewebe, sagt der Osteopath, reagiert auf Gedanken. Ihr Bindegewebe möchte gehalten werden, sagt er, und das können Sie selbst. Ich bin ein wenig enttäuscht, weil er mir im Grunde wortreich erzählt, was ich längst weiß, wie machtvoll Gedanken sind, vielleicht wusste ich nicht direkt, dass sie auch das Bindegewebe angreifen und wie das alles zusammenhängt. Aber jedenfalls dachte ich noch während ich ihm zuhörte, ihm gut eine halbe Stunde zuhörte, obwohl ich doch zur Osteopathie gekommen war und nicht zur Therapie, dass ich dafür nun wirklich nicht so viel Geld bezahlen möchte, dass mir dafür doch die Krankenkasse eine Psychotherapie bezahlt. Aber trotzdem nehme ich dieses Bild mit und diesen Gedanken. Okay, denke ich, ich habe jetzt also gut zwei Jahrzehnte lang andere gehalten und für sie gesorgt, mich um sie gesorgt. Und ich denke, er hat natürlich Recht, wenn er sagt, diese Aufgabe, Verantwortung zu übernehmen für meine Kinder, die hätte ich erfüllt, das müsste ich nicht mehr tun. Ich tue es aber doch, muss ich mir eingestehen, immerzu in meinen Gedanken, im Kopf, wenn ich mir dies ausdenke und das vorstelle. Und tatsächlich ist das vollkommen überflüssig. Und tatsächlich verhindert es, dass ich mich jemals wirklich entspanne. Ich solle einfach innehalten, sagte der Osteopath, wenn ich wieder so angespannt bin, wenn mein Körper mir das signalisiert, oder die rasenden Gedanken mir weismachen wollen, dass es gar nicht anders sein kann, dass ich gar nicht anders denken kann und darf. Und dann einfach nur wahrnehmen wo ich bin und was ich fühle. Da ist der Punkt, denke ich, davor habe ich eine irrationale Angst; mich darauf einzulassen, was ich fühle. Ich merke es, als ich sofort, während ich ihm zuhöre und brav seinen Ratschlägen zu folgen versuche, meinen Gefühlen Namen gebe, sie erkläre und definiere. Was etwas grundsätzlich anderes ist, als sie zu fühlen. Und so tue ich heute den Rest des Tages nicht viel, ich lese und fühle meine grundlegende Erschöpfung ohne sie gleich weg zu erklären. Immer wieder einmal blitzen Anforderungen auf, all die Kleinigkeiten und größeren Dinge, die noch zu tun sind, aber das einzige was ich tue ist lesen und mich sein lassen, für mehrere Stunden.

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