„Plötzlich sind wir andere als zuvor, denkt Irma, vorher waren wir so, jetzt sind wir anders.“ [Ulrike Anna Bleier]

Alles ist gleich geblieben, das gleiche Haus in der gleichen Straße, die gleichen Nachbarn, die gleichen Wochentage mit den gleichen Pflichten. Ab und zu eine Baustelle, die den Verkehr stocken lässt, neue Werbung an der Straßenbahn, aber sonst ist doch alles gleich. Trotzdem, denkt Irma, sind wir anders. Ein komischer Gedanke. Woher kommt er nur, fragt sie sich. Wo doch alles gleich geblieben ist. Etwas in ihr beharrt auf dieser Stabilität, der Unveränderlichkeit. Aber das andere, das, was diesen Gedanken ausgespuckt hat, den sie nun nicht wieder los wird, lässt sich nicht davon beirren. Aber das wolltest du doch, hört Irma die Stimme ihrer verstorbenen Großmutter, du wolltest doch immer eine andere sein. Warum bin ich dann nicht zufrieden, denkt Irma, warum beunruhigt mich dieser Gedanke dermaßen?

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