Einige Gedanken zu Georgi Gospodinov „Der Gärtner und der Tod“

Ich habe Der Gärtner und der Tod bereits parallel zu den Notizen für John gelesen. Gerade weil es ein ganz anderes Buch ist. Es ist ein schönes und tröstliches Buch. Gospodinov schreibt über den Tod seines Vaters. Eines Vaters, der leidenschaftlicher Gärtner war, der vielleicht durch den Garten seine Gefühle, seine Liebe ausdrücken konnte, für die ihm Worte und Gesten fehlten. Das Buch beginnt mit einem bemerkenswertem ersten Satz.„Mein Vater war Gärtner. Jetzt ist er ein Garten.“

Im Grunde ist dieser Satz die Zusammenfassung des gesamten Buches, er ist die Fabel, er sagt alles, was auf den folgenden Seiten gesagt wird. Meine Bewunderung für Georgi Gospodinov beginnt bereits an der Stelle, an der er nach so einem Satz (der alles beinhaltet) trotzdem weiterschreiben kann. Dieses Buch ist eine Trauerbewältigung und ein Nachruf. Und für mich persönlich eine Fundstelle wunderbarer Zitate. Eins geht so: „Ob die Blumen nicht in Wahrheit heimliche Periskope der Toten sind, die unter ihnen liegen und die Welt durch ihre Stängel beobachten?“

Es ist bereits Dezember, die Magnolie im Nachbargarten hat längst alle Blätter verloren. Trotzdem ist sie nicht kahl, sondern voller zarter Knospen. Vielleicht bedeutet auch das etwas. Vielleicht könnte jemand mit dem Talent von Gospodinov auch daraus eine kleine Geschichte spinnen. Einen Nachruf für meine Eltern z.B. Den Nachruf, den ich ihnen bis heute schuldig bin.

Das bleibt am Ende, ein paar geteilte Atemzüge im Dunkeln“, schreibt Gospodinov. Mir blieb nur eine kurze Fahrt im Rettungswagen, während der ich ermahnt wurde, meine Mutter nicht zu berühren.

Als meine Mutter starb, hatte ich zwar Menschen zu denen ich hätte sagen können: Meine Mutter ist tot. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Aber mir fehlten die Worte. Sie fehlten mir noch lange. An die Stelle der fehlenden Worte setze ich viele merkwürdige Verhaltensweisen. Ich machte Fehler und sobald ich erkannte, dass ich Fehler machte, machte ich noch mehr Fehler. Ich weiß immer noch nicht, wie ich die Geschichte von der Trauer um meine Mutter erzählen soll. Damals war es zu früh. Heute scheint es zu spät.

3 Kommentare zu „Einige Gedanken zu Georgi Gospodinov „Der Gärtner und der Tod“

  1. @muetzenfalterin
    Vielleicht gibts so etwas wie den richtigen Zeitpunkt für Nachrufe gar nicht. Und für gar nichts.
    Vielleicht ist richtig und falsch auf Trauer bezogen obsolet.

      1. @muetzenfalterin
        Vielleicht sind die richtigen Momente die Ausnahmen? Die ganz besonderen Glücksfälle? Ich wünsche dir ganz viele davon.

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