(25)

Orientierungslos, steht mit zitternder Hand notiert auf einem kleinen Zettel, den ich mit mir herumtrage. Ich habe mir dieses Adjektiv notiert, weil es ausdrückt, wie ich mich fühle. Wenigstens ein treffender Begriff für dieses schwammige, undurchsichtige Gefühl.

Manchmal öffnet sich ein Ahnung, wie sie alle zusammenhängen, die einzelnen, zutiefst einsamen Fäden. Wie sie sich weigern, sich zu einer Geschichte verweben zu lassen. Wie sie darauf beharren, dass niemand alles entschlüsseln kann. Wie aber immerhin ein Netz bleibt, Fäden, die sich immer enger zusammenziehen, verknoten, bis da nichts mehr ist als dieser Knäuel, unmöglich ihn jemals wieder zu entwirren. Und trotzdem will ich ja unbedingt erzählen. Manche Fäden werden vielleicht so weit isoliert werden können, dass sie sichtbar werden und andere nicht. Dann wäre da immer noch der Knoten, den man beschreiben kann.

Kein schönes, blumiges, poetisches Schreiben mehr, dafür einen Ton, der beherzt ins Innere vordringt. Es ist vielleicht zu einfach gewesen am Anfang. Und jetzt muss ich es mir beweisen.

Während ich das Hochzeitsfoto der Adoptiveltern ansehe, der Gedanke, dass ich gerne ein Foto meiner leiblichen Mutter hätte. Ich wüsste gern wie sie aussah. Womöglich würde das genügen. Ich könnte die Suche abschließen.

1 Kommentar zu „(25)

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