(11)

Die Zeit geht weiter, schreitet voran, während ich versuche sie festzuhalten, oder wenigstens Punkte zu finden, an denen ich mich verankern kann. Der Krieg im Iran, die Wahlergebnisse in Baden Württemberg, wo die AFD noch einmal ihre Stimmenanzahl verdoppeln konnte, aber es scheint kaum der Rede wert, Demonstrationen gegen die Wehrpflicht und draußen die Knospen der Magnolie, die kurz davor sind aufzubrechen. Es liegt alles beisammen. Kein Schreckliches schließt das Schöne aus und umgekehrt.

Ich merke wie ich aus manchen alten Zusammenhängen herausgewachsen bin, oder ich bin gar nicht gewachsen sondern gleich geblieben, aber alle anderen haben sich verändert. Jedenfalls passt es nicht mehr gut und zwickt andauernd und dann ist es doch wieder einmal gut, und ich bleibe. Was für lächerliche Gedanken, fällt mir auf, während M. sagt, der KFZ Mechaniker klang ganz niedergeschlagen als er gerade angerufen hat, ob er das unfallgeschädigte Auto vorbeibringen kann. Natürlich ist er traurig, sage ich, in seinem Land herrscht Krieg. Im Haus gegenüber kommen ständig Menschen mit kleinen Kindern. Die Nachbarn müssen eine schier unendliche Schar an Enkeln haben.

Ich fange an mich erneut mit Kaari Upson zu beschäftigen, deren Video mich in einer Ausstellung, die ich 2022 gesehen habe verstört und fasziniert hat. Ich lese Ulrike Ulrichs „Zeit ihres Lebens“, und merke wie oberflächlich ich bin, wenn ich recherchiere, wie ungeduldig und stets auf Ergebnisse bedacht. Wie wenig ich mich in einer Thematik verlieren kann. Als wäre gerade so eine Zeit, in der ich mich einfach nicht loswerde. Früher war ich eine Gesprächspartnerin. Heute halte ich Monologe. Früher hatte ich Ziele. Heute bin ich traurig.

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