Lesetagebuch „Notizen für John“ (1)

Es regnet. Es regnet auf diese sehr eklige hinterhältige Art und Weise, bei der die Nässe in jede Pore einzieht, bei der sich alles verkrampft und zusammenzieht, bei der man keinen Hund auf die Straße jagen möchte.

Ich denke über Joan Didion nach, dieses Buch, die Notizen für John, ist kein Buch, das sie als solches geplant hat, Sarah Murrenhof schreibt für Radio drei sehr differenziert darüber, wie ambivalent die Veröffentlichung ist.

Vermutlich haben all die Stimmen Recht, die sagen wir sollten nicht lesen, was Didion vermutlich so in dieser Form, nie zur Veröffentlichung freigegeben hätte, aber ich bin gerade dankbar, dass ich es dennoch lesen kann. Es tröstet mich, es hilft mir. An einer Stelle sagt ihr Psychotherapeut zu Joan Didion, dass sie den schlechten Zeichen zum Trotz (es geht um die Alkoholabhängigkeit ihrer Tochter Quintana) daran glauben soll, dass alles gut werden wird. Und ich denke plötzlich, dass Z., die mir gestern geschrieben hat, eigentlich etwas sehr ähnliches gemeint hat, als sie schrieb: auch wenn es gerade nicht so aussieht, die guten Zeiten kommen zurück. Die Frage ist vielleicht nur, ob ich noch da sein werde, wenn die guten Zeiten zurück gekommen sind. Aber letztendlich ist das nicht entscheidend, denn ich hatte vermutlich ausreichend gute Zeiten in meinem Leben.

3 Gedanken zu „Lesetagebuch „Notizen für John“ (1)

  1. Was für ein lebensnotwendiger Satz:

    »Die Frage ist vielleicht nur, ob ich noch da sein werde, wenn die guten Zeiten zurück gekommen sind. Aber letztendlich ist das nicht entscheidend, denn ich hatte vermutlich ausreichend gute Zeiten in meinem Leben.«

    Danke dafür!

  2. Ich lese es auch. Seit heute morgen. Und zeitgleich hörte und las ich Stimmen, die sagten, es sei unmoralisch so etwas zu veröffentlichen.
    Mir geht es so wie dir. Ich bin froh, dass ich h die Möglichkeit habe dieses Buch zu lesen. Es ist das Bu h was mich hält, wenn die Angst mich anfällt, die such selten auf mich selbst bezieht. Es ist das unwegsame Gelände des Kontrollverlustes, das sie betritt. Du liebst, du willst bewahren, auch selbst dann noch, wenn die Hand sich h längst azs deiner gelöst hat, lösen musste, um selbst werden zu könne. Ich lese gespannt, wie Joan Didion aufbricht, hinter die Angst geht, ins Dunkel, Ich bin gespannt auf weitere Leseindrücke von dir.

    1. Ich meine mich zu erinnern, dass du notes for John bereits im Original gelesen hast. An einer Stelle spricht ihr Therapeut mit Didion über ein Buch, das er liest, er sagt er liest es langsam, Stück für Stück und als sie ihn fragt warum, antwortet er: Es ist zu nah dran. Genauso empfinde ich dieses Buch. Aber ja, es ist unmoralisch es zu lesen, ich meine eine Frau wie sie, die nach dem Tod ihres Mannes, während ihre Tochter im Koma liegt zu sich selbst sagt: nicht jammern, härter arbeiten, hätte sicher nicht gewollt, dass wir lesen, wie sie vor ihren Therapeuten weint.

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