Ghost stories von Siri Hustvedt, ein Buch das ich unbedingt lesen wollte, hat mich ratlos zurückgelassen, ratlos, aber auch etwas enttäuscht. Nun hat Elisabeth Bronfen etwas sehr erhellendes zu diesem Buch und zu weiterer Trauerliteratur geschrieben. Sie vergleicht z.B. das Vorgehen, wie Hustvedt ihr Buch gestaltet, mit der Geschichte von Frankenstein, diesem Wesen das aus Körperteilen von Toten besteht. Bronfen schreibt: „Die Memoiren entpuppen sich als ein Geistergebilde. Über dieses hat Siri Hustvedt die Deutungshoheit.“ Vielleicht war mir diese Einverleibung des Toten unangenehm, aber vielleicht lag es auch maßgeblich daran, dass ich irritiert gewesen bin, warum mit keinem Wort wenigstens eines der großartigsten und tröstendsten Trauerbücher von Joan Didion erwähnt wurde (Das Jahr magischen Denkens und Blaue Stunden). „Es ist eine beeindruckende Geste der Selbstentlarvung, die darauf zurückzuführen ist, dass sie als Journalistin vorgeht. Didion entblösst nicht unmittelbar ihre Gefühle und Wünsche. Vielmehr behandelt sie sich selbst wie eine Person in einer ihrer Reportagen. Sie betrachtet sich und die Ereignisse, die ihr im Zuge ihrer Trauer widerfahren sind, mit wohltuender Distanz“, schreibt Bronfen.
Und weiter: «Things in Nature Merely Grow» bietet eine eigene Egozentrik dar. Während Hustvedt ein Angebot macht, uns mit ihrer Wehr gegen den Tod zu identifizieren, und Didion uns dazu anhält, uns von den Toten wieder abzuwenden, besteht Yiyun Li auf einem Widerspruch. Niemand kann ihr Leid, so wie sie es empfindet, mit ihr teilen. Wir können aber durchaus teilhaben an ihren gedanklichen Annäherungen an das, wofür es keine passenden Worte gibt“, beendet Bronfen ihre kluge Auseinandersetzung mit Trauerliteratur.