„Ich möchte jetzt etwas anderes aufschreiben“ [Maurice Blanchot]

All die traurigen und blassen Gedanken, die sich in die erste Reihe schieben, lasse ich vorbeiziehen, ich nicke ihnen freundlich zu, und bitte sie weiter zu gehen. Denn heute möchte ich etwas anderes aufschreiben. Etwas das tiefer liegt, oder etwas, das aus einer anderen Richtung kommt. Etwas, das meine Zuhörerinnen langweilen darf. Es muss nicht schön sein und nicht erbauend, es muss keine Spannung beinhalten, aber es sollte aufrichtig sein. Denn die wirklich aufrichtigen Gedanken, sind häufig die, die sich in der zweiten Reihe befinden. Sie verstecken sich nicht, das würde gar nicht zu ihnen passen, aber sie haben nur ihre Beharrlichkeit, während die anderen vorlaut sind und auf eine unhinterfragte Art von sich überzeugt, so dass es Geduld braucht, um die anderen, die aufrichtigen Gedanken, wahrzunehmen. Man kann sie so leicht übersehen. Und dann bleibe ich stecken bei diesen Gedanken aus der ersten Reihe, bin seltsam ratlos und spüre nur einen leichten Druck im Rücken, spüre, dass etwas meine Schultern herunterzieht, irgendetwas stimmt nicht, mein Gang ist nicht so, wie er sein sollte. Manchmal richte ich mich dann auf und sage zu mir selbst: „Ich möchte jetzt etwas anderes aufschreiben.“

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