Wie ich mich auf mich selbst zurückgezogen habe

Anfangs war ich ungeheuer ehrgeizig, ich weiß noch, wie ich bei einem Autor:innentreffen auf die Frage, warum ich schreibe geantwortet habe: weil ich geliebt und verehrt werden will. Ich schickte jeden Monat Beiträge an mindestens fünf Zeitschriften, ich versuchte bei jedem Wettbewerb mitzumachen. Und hatte manchmal sogar Erfolg. Was mich weiter beflügelte. Dann geschah sogar ein Wunder, durch eine Juryarbeit, vermittelte mir eine Mitjurorin den Kontakt zu einem Verlag und mein erstes Manuskript erschien als Buch. Allerdings war es ernüchternd, dass ich die meisten Bücher selbst verkaufte, eine Nachfrage beim Verlag, wie viele Bücher denn bereits verkauft worden seien, ergab die enttäuschende Zahl von fünf. Auch die Wettbewerbe blieben jetzt erfolglos. Aber immerhin erschienen noch ab und zu Beiträge in schönen Zeitschriften und ich begann bei Fixpoetry zu rezensieren. Ich hätte nie geglaubt, dass ich das kann, aber Julietta Fix glaubte an mich und ich entdeckte, wie wunderbar es ist, sich Bücher auf diese Weise zu erschließen. Eine Zeitlang, eigentlich bis zum Ende von Fixpoetry, war das Rezensieren eine große Leidenschaft und das eigene Schreiben war plötzlich nicht mehr so wichtig. Dann geschah aber ein weiteres Wunder: Dinçer Güçyeter fragte, ob ich einen Gedichtband beim Elifverlag veröffentlichen wollte. Und dann kam Sansibar auf die Welt, während Corona, also zu keinem wirklich optimalen Zeitpunkt, aber dennoch gab es so wundervolle Reaktionen und teilweise noch Jahre später die Möglichkeit, aus diesem Band zu lesen. Das war wunderbar und überraschenderweise verlegte Dinçer kurz darauf auch meine eigentlich als Fingerübungen gedachten 100 Wort Miniaturen, und auch diese erfuhren eine gute Resonanz. Das war vermutlich der Moment, wo ich einen Fuß in der Tür hatte. Ich weiß nicht, ob ich den Fuß freiwillig wieder aus der Tür genommen habe, oder ob die Tür einfach so wieder zugefallen ist, jedenfalls kam irgendwann der Zeitpunkt, als ich merkte, dass ich nicht für dieses Geschäft gemacht bin, dass ich vermutlich zu wenig an mich selbst glaube. Oder, drücken wir es weniger abwertend aus, als ich merkte, wie viele ganz außerordentlich gute Bücher es gibt, an deren Qualität ich nicht heranreiche. Eine Zeitlang war ich niedergeschlagen. Entmutigt. Aber dann habe ich für mich festgestellt, dass es mir besser geht, wenn ich einfach schreibe, ohne mich um Veröffentlichungen zu kümmern. Wenn es passiert, ist das immer noch schön und eine Freude, aber es ist nicht mehr so wichtig. Ich muss zum Glück nicht vom Schreiben leben, ich muss mich nicht um Teufel komm heraus als Künstlerin behaupten und dafür sorgen, sichtbar zu bleiben. Mit dem Rückzug, mit dem ich lange gehadert habe, der aber aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen unumgehbar war, bin ich inzwischen im Reinen. Manchmal schicke ich einen Text in die Welt, die meiste Zeit schreibe ich still vor mich hin und alles ist gut so wie es ist.

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