„Er starb wenige Tage später.“ [Eliot Weinberger]

Es schneite, es taute, es schneite erneut. Ich war nicht sicher, ob ich angesichts dieser Wetteraussichten wirklich fahren sollte. Ich war eine ordentliche Autofahrerin, aber keine, die Herausforderungen suchte. Ich sprach mit meiner Mutter, ich rief meine Schwester an. Er wäre enttäuscht, sagten sie, aber das soll dich nicht beeinflussen. Natürlich musst du zu Hause bleiben, wenn du das Gefühl hast, die Fahrt könnte dich überfordern. Und wenn du den Zug nimmst? Also hatte ich mich zusammengerissen, hatte die Scheiben frei geschaufelt, ein kurzes Stoßgebet gen Himmel geschickt, und tatsächlich, der Schnee blieb aus, es fror auch nicht. Es war eine ganz normale Fahrt. Ich geriet nicht einmal in einen Stau. Pünktlich klingelte ich an seiner Tür. Er hatte sich rasiert, trug nicht nur einen Anzug, sondern auch die Krawatte, die ich ihm Weihnachten geschenkt hatte. Wir tranken Kaffee, er freute sich über den Kuchen, den ich mitgebracht hatte, auch wenn er nur wie ein Vögelchen daran pickte. Wir sprachen über das Wetter, über die Straßenverhältnisse, über Mutter und meine Schwester. Wir sprachen über Belanglosigkeiten, aber die Zeit verging schnell. Zum Abschied umarmten wir uns ungewöhnlich lange.

Wenige Tage später war er tot.

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