Weil es bei mir derzeit nur Dinge gibt, die entweder ziemlich banal oder viel zu persönlich sind, oder sagen wir es so: weil ich mich gerade mit einem Konflikt anfreunde, der schon lange da ist, den ich aber erst kürzlich wirklich zur Kenntnis genommen habe, teile ich heute ein großartiges Gedicht. Geschrieben hat es Franz Hodjak. Und es ist nicht nur sehr sehr gut, sondern auch passend. Denn tatsächlich liegt etwas auf der Zunge und der Zweifel ist gerade eine Tankstelle, deren Zapfsäulen ständig leer sind. Aber solange es noch wunderbare Texte gibt und ich mich an ihnen erfreuen kann ist nichts verloren.
Immer liegt etwas auf der Zunge
Immer war ich am Suchen. So habe
ich staunen gelernt. Gestaunt habe ich über das,
was ich gefunden habe, und noch mehr
gestaunt habe ich über das, was ich
nicht gefunden habe. Der Herbst ist die Zeit,
in der nachts die Zweifel kommen.
Engeren Kontakt halte ich zum Nötigen und
Unnötigen, zu einigen Faustregeln
des Vergänglichen, zum Rückenwind, und zu
allem, was mehr Platz braucht zum Denken.
Wie jeder im Reservistenverein wird auch
der Specht im Garten fast verrückt
vor Glück, wenn er die Sinfonie Krieg und Frieden
von Schostakowitsch hört.
Das große Verschwinden hat rund
um die Uhr zu tun. Am Morgen muss ich mich
am Bett festhalten, um nicht auch
zu verschwinden. Zufälle in Gestalt von
gefallenen Engeln haben auf der Erde
jetzt das Sagen. Sie wechseln die Schlösser aus
und entscheiden, wer hinein und wer hinaus darf.
Immer liegt etwas auf der Zunge, das sich
zurückhält, weil es an sich zweifelt. Der Zweifel
ist auch eine Art Tankstelle, wo ich
Phantasie tanke. Und außer dem Leben
gibt es nichts, was ein Leben lang dauert.
Oh ja, was für ein Text. Der fasst mich sehr an, sehr unmittelbar … sehr starke Bildworte.