Lesetagebuch “Die Rebellion der Liebenden” – Marica Bodrozic

Sofort als ich anfing zu lesen, hatte ich das Gefühl, dass dieses Buch mehr ist, als ein Buch, das man liest und dann denkt: kluge Gedanken, schön formuliert. Es sagte mir von Anfang an; du kannst etwas von mir lernen, wenn du dich auf mich einlässt. Und genau das versuche ich nun.

So wie es in der Außenwelt Landschaften gibt, so gibt es sie auch in uns. Indem wir Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, unsere Biographie, unsere Erfahrungen und Erlebnisse, aber auch unsere Seele kennenlernen, uns den inneren Mitteilungen stellen, machen wir diese Landschaft in allen ihren Höhen und Tiefen für uns begehbar. Dabei ist Geduld, aber vor allem auch die mit ihr verwandte Langsamkeit, […] eine Freundin. Die Langsamkeit ist die Erzählerin. Die Langsamkeit ist die Sprache.“ (Maricia Bodrozic)

Also ist es gut, wenn ich nicht sofort Worte finde, für das was mich bedrückt, es ist gut, den Schmerz erst einmal sein zu lassen. Sprachlos. Aber nicht ohne Ausdruck. Beschreiben kann ich vielleicht später den Eindruck, das was sich geändert hat, indem ich den Schmerz gefühlt habe und ihn willkommen geheißen habe, nachdem ich versucht habe ein Einverständnis mit ihm zu finden. Nachdem ich ihn eingeladen habe, Teil meines Lebens zu sein. Nachdem ich ihm auf diese Weise die Möglichkeit gegeben habe, sich zu verändern, wie alles was lebendig ist.

Indem ich jetzt (und immer wieder) das nachvollziehe, was ich irgendwo in mir schon gewusst habe, als ich diese Erwiderung auf Hélène Cixous Zitat gefunden habe.

Plötzlich möchte man weinen

Hélène Cixous

Dieses Gefühl, das den Weg ebnet für die Tränen. Ich kann es nicht beschreiben. Ich kann es nicht richtig beschreiben. Darum sage ich „plötzlich“. Plötzlich laufen Rinnsäle aus salzigem Wasser über ihr Gesicht. Plötzlich war alles in Bewegung. Plötzlich verwandelte sich ihr Gesicht in einen Fluss. Wir nannten den Fluss Trauer und wussten, er würde niemals ganz austrocknen. Aber er würde sich eines Tages von anderen Dingen ernähren. Die Tränen selbst würden sich verwandeln. Das Fließen würde zu etwas, das wertvolles Treibgut an Land spülen würde. Dankbarkeit, Demut, heilsame Dinge. Langsam, Stück für Stück. Ein heilsames Fließen aus Zeit. Veränderung.

1 thought on “Lesetagebuch “Die Rebellion der Liebenden” – Marica Bodrozic

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert