Familiengeschichten

Vor einigen Tagen im Radio ein Interview gehört. Leider finde ich nicht mehr heraus, wer dabei der Gesprächspartner gewesen ist. Aber derjenige sagte jedenfalls dort u. a., dass in jüdischen Familien jeder wisse, was den Großeltern und anderen Verwandten widerfahren sei, während das in deutschen Familien nach wie vor nur sehr selten der Fall ist.

Ich selbst habe vor Jahren einen Onkel besucht und von ihm einiges zur Geschichte der Familie im Nationalsozialismus erfahren. Meine Mutter hatte ich nie wirklich ernsthaft danach gefragt, ich war 22 als sie starb, solche Fragen müssen vielleicht auch reifen, wenn es kein allgemein gesellschaftliches Klima gibt, in dem es „normal“ ist, dass darüber geredet wird.

Als meine eigenen Kinder in das Alter kamen, wo die Geschichte des dritten Reichs anstand, habe ich mich geschämt dafür, dass sie Dinge erfahren mussten, die mich in ihrem Alter restlos überfordert hatten. Ich habe versucht mit ihnen darüber zu reden, aber es war für sie „nur“ eine Vergangenheit, mit der sie nichts mehr zu tun haben. Bis heute ist all das kein Thema in unserer Familie.

Der Interviewte sagte jedenfalls, solange die Deutschen nicht endlich diesen Teil ihrer Geschichte grundsätzlich und gründlich aufarbeiten, werden wir den Antisemitismus nicht überwinden. Er hat Recht.

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